Obst Uncategorized Wald

Ebereschen everywhere

Heute melde ich mich nach mehrwöchiger berufsbedingter Absenz aus dem Urlaub! Wir sind derzeit in den Niederlanden im „Vakantiepark Westerbergen“, einem netten Ferienpark in netter Umgebung! Und ich kann’s auch hier im Urlaub nicht lassen: Die Natur hat’s mir angetan und bei Ausflügen wandern meine Augen stets durch die Umgebung, auf der Suche nach Bäumen, Pflanzen oder Blumen, die ich kenne.

Direkt hier im Park hab ich etwas entdeckt, mit dem ich mich bisher noch nie wirklich beschäftigt habe: hier stehen jede Menge Ebereschen, auch Vogelbeerbäume genannt. Diese hängen übervoll von orangefarbenen Beeren. Aus diesem Grund bin ich auch darauf aufmerksam geworden und habe deshalb begonnen, im Internet über die Ebereschen zu recherchieren.

Eberesche mit Beeren

Nachdem, was ich bisher darüber gelesen habe, hätte ich direkt Lust, mit Kübel und Leiter loszuziehen und mit dem Ernten zu beginnen: Konfitüre, Gelee, Saft, Likör, Schnaps, … leider hab ich weder Einkochsachen, noch leere Gläser oder Flaschen dabei!

noch mehr Vogelbeeren

noch viel mehr Vogelbeeren

Die Vogelbeere ist in ganz Europa weit verbreitet, kommt auch in den österreichischen Bundesländern zerstreut bis häufig vor, im östlichsten Teil Österreichs aber gar nicht. Das ist wohl der Grund dafür, warum ich sie bei uns noch nicht gesehen habe.
Sie ist eine wichtige Futterpflanze für zahlreiche Insekten, Vögel und Säugetiere, daher wohl auch die Bezeichnung „Vogelbeere“. Aber auch für die Menschen war dieser Baum immer schon wichtig, manchmal sogar heilig, wie uns heute aus mythologischen Überlieferungen bekannt ist.

So war die Eberesche bei den Germanen dem Gewittergott Thor geweiht. Der Sage nach konnte sich Thor aus einem reißenden Fluss retten, weil er den Ast einer Eberesche zu fassen bekam. In Norwegen heißt der Baum wohl deshalb „Thorsbjörg“ – „Thor’s Begegnung“ bzw. „Thor’s Rettung“.

Auch bei vielen anderen europäischen Völkern galt der Baum als heilig, weshalb häufig heilige Haine, Gerichts- und Orakelplätze mit Ebereschen umpflanzt wurden. Keltische Druiden stellten ihre Zauberstäbe aus dem Holz eben dieser Bäume her, da diese vor Unheil und bösem Zauber schützen sollten. Von den keltischen Priestern wurde die Eberesche auch zum „Baum des Lebens“ gemacht, da sie zu den im Frühjahr als erste ausschlagenden Bäumen gehört und so zum Symbol für den Neubeginn nach dem kalten, „toten“ Winter wurde.

Auch im bäuerlichen Bereich war die Eberesche wichtig. So haben die Bauern beblätterte Zweige der Eberesche geschnitten um damit die einjährigen Kühe dreimal auf den Rücken zu schlagen. Dabei bekamen die Kühe einen Namen und die Fruchtbarkeit sollte dadurch gefördert werden. Danach wurden die Zweige noch an die Stalltüre gebunden, um Krankheiten abzuwehren.

Sogar als Wetter-Anzeiger wurde die Eberesche verwendet. So besagt eine Bauernregel, dass die Getreideernte reich ausfällt, wenn die Eberesche reich fruchtet, aber auch, dass dann ein strenger Winter zu erwarten sei.
Nun, die Bäume hier in den Niederlanden hängen übervoll ….

Die Eberesche ist außerdem eine Heilpflanze, die immunsystemstärkend, harntreibend und verdauungsregulierend wirkt.
Es ist umstritten, ob die rohen Beeren der Eberesche giftig sind oder nicht. Tatsächlich enthalten die rohen Beeren Parasorbinsäure, die zu Magenproblemen führen kann. Gekocht und getrocknet verlieren die Beeren aber diese Magenprobleme verursachenden Inhaltsstoffe und die Parasorbinsäure wird in Sorbinsäure, die gut verträglich ist, umgewandelt.

Vogelbeeren am Baum

Die Ebereschenbeeren enthalten zudem eine große Menge an Vitamin C, nämlich bis zu 100 mg pro 100 g Beeren, welches beim Kochen um etwa ein Drittel reduziert wird. Somit sind sie sehr gesund und waren früher ein wichtiges Mittel gegen Skorbut. Aus der Sorbose der Vogelbeeren wurde früher der Zuckeraustauschstoff Sorbit für Diabetiker gewonnen, heute wird dieser industriell hergestellt.

Aus den Blüten und Blättern kann man Tee herstellen, der vor allem bei Husten, Bronchitis und Magenverstimmungen zur Anwendung kommt.

Blätter der Eberesche

Nicht allzu häufig findet dieses Wildobst in der Küche Verwendung, nicht zuletzt deshalb, weil auch heute noch viele Menschen diese Beeren für giftig halten. Allerdings eignen sich für die Zubereitung von Marmeladen, Gelees, Säften und anderer Köstlichkeiten nicht alle Beeren der Eberesche, da es hier offenbar herbe und sehr bittere Sorten gibt. In der Küche sollte man eher die herben Sorten verwenden, daher besser vor der Ernte der Beeren eine der Beeren probieren, ob sie nicht extrem bitter schmecken.

Alles in allem ist die Eberesche, Vogelbeere, Drosselbeere, Aberesche, Quitsche, Krametsbeere, oder wie auch immer sie sonst noch genannt wird, ein sehr interessanter Baum, nachdem ich definitiv zu Hause Ausschau halten werde!

Groetjes,
Doris

2 Kommentare

  1. Oh ja, Eberesche – so eine hätte ich auch gerne im garten, weil ich unbedingt mal so ein Gelee probieren möchte! (und pflück doch einfach welche kurz vor der abreise und nimm sie mit!)
    alles liebe
    Mosauerin

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: